Der Sonne entgegen

von Charter and Sail (Tobi, Lothar, Mirjam) (Kommentare: 0)

Abenteurer aus Rostock entdecken mit Katamaran die Welt. - netter Bericht über Charter & Sail in der SVZ

Ihre Haut ist braungebrannt, die Haare von der Sonne leicht ausgeblichen, auf ihren Lippen liegt ein Lächeln. Hinter Tobias Weiß und seiner Crew liegt eine halbjährige Romanze. Die Abenteurer sind von Klippen gesprungen, mit Delfinen geschwommen, auf Wellen gesurft und mit dem Wind über den Atlantik geschippert – unterm Hintern: zwei Motoren à 29 PS.

Die Liaison mit der „Tonia“ begann in Stralsund. „Der Katamaran wurde gebraucht gekauft und 2015 komplett saniert – und zwar so, dass wir Gäste auf internationale Segelreisen mitnehmen dürfen“, erzählt Weiß. Weil die Saison in der Ostsee allerdings ein wenig kurz sei, suche das Team im Winter nach Vitamin D reicheren Regionen – bis vor Kurzem ankerten die Segel-Freunde deshalb vor den Kanarischen Inseln. Während ihres Aufenthaltes in fremden Gefilden haben sie einwöchige Törns angeboten, unter anderem auch ausschließlich für Kitesurfer. „Dann sind wir dorthin gefahren, wo der Wind war. Der Katamaran schafft 14 bis 16 Knoten“, schwärmt Maike Schöneberg. „Die Kanaren sind ein Traumrevier zum Wellenreiten“, so die 24-Jährige. „Aber auch ein Traumrevier zum Segeln“, fügt Tobias Weiß hinzu. Eines nachts seien die Wellen bei Fuerteventura so stark gewesen, dass die Truppe in eine Bucht gedrückt wurde und dort ausharren musste. „Wir haben eine moderne Pentry-Küche an Bord, sodass wir nicht jeden Tag einkaufen müssen. Es musste also niemand verhungern“, scherzt Weiß. Und schlecht sei auch niemandem geworden. Dank der beiden Rümpfe und der ausladenen Breite, begegne ein Katamaran starken Wellen resoluter, als ein einrumpfiges Boot. „Die Schiffsbewegungen sind geringer. Das muss schon ganz schön heftig wackeln, damit die Kaffeetasse vom Tisch rutscht“, sagt Weiß.

Die „Tonia“ wurde nach ihrer Erstwasserung zunächst in Südeuropa eingesetzt, bevor sie von einem Eigner aus dem hohen Norden gekauft wurde. Geplant sind Touren zu den Kapverden, ebenso wie Abstecher ins Mittelmeer. Für ihre Zeit in heimischen Gewässern, sind Tages- und Sunset-Törns geplant. Start ist in Rostock, wo das Boot während der Sommermonate im Hafen liegt.

Als besonderen Höhepunkt verspricht Tobias Weiß das garantierte Robbengucken. „Vor der Südküste der dänischen Insel Lolland gibt es einen riesigen Windpark, dazwischen liegen etliche Sandbänke. An den Fundamenten der Windräder haben sich neue Riffe gebildet. An diesen tummeln sich Dorsche und Schollen, sodass auch die Robben dort unterwegs sind“, erklärt Weiß. Doch bevor die „Tonia“ gen Dänemarkt fährt, wird sie generalüberholt, die Elektronik überprüft und der Bewuchs entfernt.

Vor allem die letzten vier Wochen auf dem Atlantik hätten an dem Boot und dessen Besatzung gezerrt. Wolfgang Lass hatte als erfahrener Segler das Kommando während der 2423 Meilen langen Rückfahrt. „Gleich die ersten beiden Tage haben wir richtig eins auf die Mütze bekommen. Mit 35 Knoten Schlächterwind sind wir in unseren Kojen Fahrstuhl gefahren“, erinnert er sich. Die Route führte die Crew an der portugiesischen Küste entlang. „Wir haben uns immer in Landsicht aufgehalten, auch weil dort unglaublich viel Schiffsverkehr war.“ Vor Spanien dann ein Funkspruch auf Kanal 16: „Eine Seniorita fragte uns, ob wir nicht an einer Hubschrauberübung teilnehmen wollen. Leider hatten wir keine Zeit – das war unser kleines Nichterlebnis.“ Wolfgang Lass segelt seit 1968. Vor zehn Jahren habe er wieder „richtig“ damit angefangen. „Die große Kunst beim Segeln ist, vorauszuschauen, also die Wind- und Wettervorhersagen zu studieren.“ Die Einsamkeit auf dem Wasser hätte ihre besondere Romantik. „Trotzdem haben wir uns über Funk auch mal mit den anderen unterhalten.“ Einmal standen sogar fremde Gäste an Bord: „Der Zoll kam aus dem Nichts. Doch der Befehl war deutlich: Motor aus, Segel runter, Beiliegen! Anschließend haben die Beamten nach Waffen und Alkohol gesucht und unsere Personalien überprüft. Dann durften wir weiterfahren.“ Beinahe einen Monat hat die Überfahrt gedauert. „Und dann wurde ich 30 Meter vor meiner Haustür abgesetzt. Nach so vielen gefahrenen Kilometern. Das ist schon ulkig“, sagt Lass. Bei der nächsten Überfahrt ist er aber wieder dabei.

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